Einzelberatung
 
Bei Mobbing handelt es sich keineswegs um ein neuartiges Phänomen. Die „Schikane“ oder das „schikanöse Verhalten“ am Arbeitsplatz sind ältere Bezeichnungen für denselben Sachverhalt. Gleichwohl gibt die Neubezeichnung dieser Vorgänge im Erwerbsbereich auch schon einen ersten Hinweis auf die Problemlage: Gesellschaftliche Veränderungsprozesse, wirtschaftliche Krisen und unsichere Zukunftsperspektiven sind der Nährboden für einen zunehmenden Konkurrenz- und Leistungsdruck in der Arbeitswelt. Entsprechend verschlechtert sich in vielen Betrieben und sozialen Einrichtungen auch das Arbeitsklima. Als häufigste Ursachen werden vor allen Dingen Überlastung, Organisationsschwierigkeiten, schlechter Führungsstil und Kommunikationsprobleme genannt. Mobbing kann alle MitarbeiterInnen eines Unternehmens treffen und auf und zwischen allen Hierarchieebenen stattfinden.

Zumeist werden die Betroffenen für Misserfolge und Stress am Arbeitsplatz allein verantwortlich gemacht. Dadurch wird ein Problem, welches ein Team bzw. den gesamten Betrieb betrifft, individualisiert und der betroffene Mitarbeiter als „Sündenbock“ stigmatisiert. Hier wird auf ein irrationales Menschenbild zurückgegriffen, dass davon ausgeht, dass ein Individuum allein in der Lage sei, einer ganzen Organisationseinheit zu schaden. Vor diesem Hintergrund ist eine sorgfältige Klärung des Verantwortungsbegriffes notwendig.

Der durch Mobbingsituationen ausgelöste Stress bezieht sich auf soziale Faktoren, die für die Qualität der Arbeitssituation ausschlaggebend sind. Durch die Mobbingaktionen und deren Einbettung in den betrieblichen Kontext werden Persönlichkeitsabgrenzungen der Betroffenen unterlaufen bzw. zerstört. Sie nehmen die Verhaltensweisen und Aktionen des “Mobbers” als Existenzbedrohung wahr. Verbindet sich diese Bedrohung mit der formalen Macht von Vorgesetzten, entsteht für den Betroffenen eine ausweglose widersprüchliche Situation: Einerseits besteht die Notwendigkeit, die eigene wirtschaftliche Existenz abzusichern, andererseits befindet er sich in einem konkreten Arbeitsprozess, der die psychische und physische Existenz bedroht.

Je nach psychischer Stabilität und Selbstbewusstsein des Betroffenen zeichnet sich bereits innerhalb kurzer Zeit ein Leistungsabfall ab. Denn die betroffene Person verbraucht den größten Teil ihrer Energie, um sich im sozialen Gefüge des Teams oder der Abteilung zu behaupten und ihren sozialen Status aufrechtzuerhalten. Mit dem Abschieben in die soziale Isolation, den fehlenden positiven aber geballten negativen Rückmeldungen, den vorenthaltenen Informationen wird die betroffene Person zunehmend ziel-/orientierungslos und krank.
 
 

 
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